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Wellengang - das ist die Folge des Spieles zwischen Wind und Wasser. Und seien wir ehrlich: Wer hätte nicht seine Freude an den Wellen! Was wäre das Meer, was ein See ohne seine Wellen? Wir spüren das Leben des Wassers, wenn die Wellen kommen und gehen; mit Vergnügen lassen wir uns hoch- und niedertreiben, wenn wir baden; und was ein rechter Surfer ist, der fährt nur hinaus, wenn er Wellen sieht: er nimmt teil am Spiel von Wind und Wasser. «Bewegt und getrieben»: das kann berauschen, das ist etwas anderes als in der Stube zu hocken, Wellen: stehen sie nicht für Freiheit und Leben?
Im Jakobusbrief, ziemlich am Ende des Neuen Testaments, findet sich das Wort: Der Zweifler gleicht der Welle des Meeres, die vom Wind bewegt und getrieben wird. (Jak. 1,6 - Züricher Bibel). Für Jakobus ist die Welle ein Bild für den Zweifler. Und der Zweifel ist das Gegenstück der Gewissheit. Aber: Haben denn nicht wichtigste Bewegungen in der Menschheitsgeschichte mit dem Zweifel ihren Anfang genommen? Mit dem Zweifel am Althergebrachten, am immer schon Geltenden, am von oben Verordneten? Und hat nicht im eigenen Leben der Zweifel oft am Anfang einer wichtigen Entwicklung gestanden? Der Zweifel am Sinn des täglichen Treibens, an der Zeiteinteilung, am Kreis der Freunde? Und was wäre die Geschichte unserer Wissenschaften ohne den Zweifel, der nach neuen Erklärungen, neuen Erkenntnissen suchte? Meint Jakobus wirklich, es kann lebendigen Glauben ohne Zweifel geben? Menschen, vom Zweifel «bewegt und getrieben», haben manchen neuen Schritt gewagt und damit neue Erkenntnisse gewonnen. Sie blieben nicht stecken im Altvertrauten, sie suchten nach neuen Wegen. Steht der Zweifel also nicht für Leben und Entwicklung?
Jakobus ist weit davon entfernt, ein Loblied anzustimmen auf die Welle und den Zweifler. Vielleicht steht hinter seiner Aussage die Geschichte von der Sturmstillung (Matth. 8,23ff) mit den bangenden und zweifelnden Jüngern im Boot, das von Wellen zugedeckt wurde.
Auf Wellen ist kein Verlass. Sie drehen sich nach dem Wind, bilden sich mal hier, mal dort sind manchmal groß und manchmal klein. Und irgendwietäuschen sie Bewegung vor: der Gang der Wellen setzt sich fort, doch das Wasser bleibt stehen. Zwar lässt sich schwimmen auf den Wellen, aber Festigkeit gibt es nicht, Es mag lustig sein, einem Anfänger zuzuschauen, wenn er auf sein Surfbrett steigen will. Es wankt und schwankt, rauf und runter, und immer wieder fällt der Arme ins Wasser; erreichen tut er kaum etwas. Wellen: ein Bild der Unbeständigkeit. Manchmal sehnt man sich nach Verlässlichkeit, nach festem Grund.
Dass ich feststehen kann oder doch zumindest einen Anker versenken kann, der mir Halt gibt, das mag das ersehnte Bild des gewissen Glaubens sein. Anker, Wurzel, Grund, Fels: das sind denn auch biblische Bilder, die Vertrauen erwecken sollen, die dem Zweifel entgegengesetzt sind. Und daran mag Jakobus auch gedacht haben. Der Christ, ein Mensch mit Halt und Grund, verankert und verwurzelt, aber nicht «bewegt und getrieben» vom Wind, so wie die Wellen.
Der Anker ist keine Lösung. Natürlich ist es ein jämmerliches Bild, wenn der beginnende Surfer auf sein Brett zu klettern versucht und das Gleichgewicht halten will und doch nicht kann. Aber er wird doch nicht einen Anker setzen wollen. Nein, er hebt das Segel aus dem Wasser und lässt sich treiben vom Wind, treiben über und durch die Wellen hindurch, weil er sich einer Kraft anvertraut, die ihn bewegt. Der Wellengang suggeriert Bewegung, die durch den Wind ausgelöst wird. Kann das auch ein Bild für die Kirche sein, zu der ich gehöre und damit auch ein Bild für mich?
Wird die Kirche, werde ich von einer Kraft getrieben? Hat die Kirche, habe ich das Segel aus dem Wasser gezogen, um es dem Wind auszusetzen? In der Bibel ist der Wind ein Bild für den Heiligen Geist. Lässt sich die Kirche, lasse ich mich vom Geist Gottes bewegen? Sicher ist nur eins: Wer in der Stube hocken bleibt, wird vom Wind nicht berührt. Aber wer sagt denn, dass es der rechte Wind ist, der die Kirche, der mich treibt? Ist es der Heilige Geist oder der Zeitgeist? Nun, man mag sehen, wohin er uns auf den Wellen führt: zur Nächstenliebe, zur Freiheit, zum Glauben?
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