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(K)ein „Aha-Effekt"!
Montag, den 22. Februar 2010 um 18:11 Uhr

„Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! (Johannes 14,1)"

So lautet die Jahreslosung 2010. Ein Vers der mich beim ersten Lesen nicht sonderlich beeindruckt.

Kein „Aha-Effekt". Kein neuer Gedanke. Nichts, was mich irgendwie überrascht. All das weiß ich doch längst.

„Euer Herz erschrecke nicht!" Wovor sollte ich mich erschrecken bzw. Angst haben? Okay, die Finanzkrise macht mir schon ein bisschen Sorgen. Die Naturkatastrophe in Haiti macht mir nicht wirklich Angst, schließlich lebe ich in Deutschland. Natürlich tun mir die Menschen leid, aber Angst habe ich deshalb trotzdem nicht. Auch in meinem Umfeld liegt gerade niemand im Sterben oder ist vor kurzem gestorben. Also eigentlich habe ich gerade keinen Grund Angst zu haben. Wobei mir bewusst ist, dass das schon einmal anders war und bestimmt auch mal wieder anders sein wird.

„Glaubt an Gott und glaubt an mich!" spricht Jesus. Aber selbstverständlich glaube ich an Gott und auch an Jesus. Schon wieder kein „Aha-Effekt". Lediglich die Formulierung lässt mich kurz ins Stocken geraten. Mich irritiert im ersten Moment, dass jemand sagt: „Glaubt an Gott und glaubt an mich!" und sich damit auf die gleiche Stufe wie Gott stellt. Doch im nächsten Augenblick fällt es mir wieder ein: Es ist nicht irgend Jemand der das sagt, sondern Jesus!

Aber was soll ich nun mit dem Vers anfangen?
Ich habe gelernt, dass wenn ich mit einem Vers nichts direkt anzufangen weiß, ich mir die Bibel schnappe und ein paar Verse, manchmal auch Kapitel vor dem Vers und nach dem Vers, lese. Einfach damit ich weiß, in welchem Zusammenhang der Vers steht.

Dadurch wird mir schnell einiges klar.
Wie in jedem der vier Evangelien, wird auch in diesem Evangelium die Geschichte von Jesus von Nazareth erzählt. Die Kapitel 13-17 sind umschrieben mit der Überschrift: Die Abschiedsreden Jesu. Die Kapitel 18-21 sind überschrieben mit: Leiden, Sterben und Auferstehung.

Beim Lesen der Kapitel wird mir schnell klar, um welche Situation es sich handelt, in der Jesus die zwei Sätze spricht. Jesus kündigt den Jüngern in den Kapiteln 13-17 seinen Abschied an. Er teilt ihnen mit, dass er sie bald verlassen wird. Die Jünger wissen bis dahin noch nicht, was auf sie und Jesus zukommt, deshalb fragen sie oft: „Herr, wo gehst du hin?" Und Jesus antwortet: „Wo ich hingehe, kannst du mir diesmal nicht folgen; aber du wirst mir später folgen." (Joh. 13, 36+37)

In unserer heutigen Zeit klingt das Ganze vielleicht nicht so dramatisch, aber aus damaliger Sicht? Die Jünger, die nun Jahre mit Jesus umhergezogen sind, die zusammen mit ihm schöne Zeiten, ja sogar Wunder erlebt haben, aber auch Ablehnung, Verzweiflung sowie Verfolgung miterlebt haben, ihnen sagt Jesus, dass er sie bald verlassen wird. Das muss man erst mal durchdenken. Jesus, der damals jede Menge Aufsehen erregt hat, der wegen seiner Botschaft bzw. seinem Glauben und seiner Taten oft als Gotteslästerer verschrien wurde, der dafür oft umgebracht werden sollte - dieser sagt den Jüngern nun: „Ich werde euch bald verlassen". Aber nicht nur der „(Über-)Mensch" Jesus geht, sondern auch ein Freund. Ein Freund, mit dem man Spaß hat, der abends am Lagerfeuer Witze erzählt, der mich einfach ernst nimmt - eben ein Freund. All die schönen Erfahrungen und Erlebnisse, all das wird vorbei sein.

Wenn Jesus geht, ändert sich alles. Dabei ist es wahrscheinlich noch nicht mal das „Schlimmste", einen Freund zu verlieren. Es bedeutet für die Jünger mit dieser Botschaft, mit dem Glauben allein zu sein. Kein Jesus mehr, der z.B. die Pharisäer in die Schranken weist. Kein Jesus mehr, der immer die richtige Antwort zur richtigen Zeit hat. Kein Jesus mehr, der den Zorn auf sich zieht und verfolgt wird, um umgebracht zu werden. Nein, jetzt bleibt alles an ihnen hängen.

Kein Wunder, dass sie Jesus oft fragen, wo er denn hingeht und ob sie nicht mitkommen können. Ich hätte bzw. würde bestimmt das Gleiche fragen in dieser Situation. Ich würde ohne Ende Schiss (= Angst) haben, Angst vor dem Alleinsein, Angst vor den Anderen, die mich wegen meines Glaubens nicht akzeptieren und im schlimmsten Fall sogar verfolgen. Angst vor dem Versagen. Angst vor der Ungewissheit.
Und das ist bestimmt noch nicht mal alles, wovor man in dieser Situation Angst haben könnte.
Ohne Jesus, wie soll das gehen!?!

Und genau in dieser Situation, einer Situation voller Angst, spricht Jesus: „Dein Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich." Jesus nimmt seine Jünger und ihre Ängste sehr ernst. Jesus weiß was in den Jüngern vorgeht und das Bemerkenswerte daran ist, es ist ihm nicht egal!

Wir erinnern uns, es sind die Abschiedreden. Jesus sagte es unmissverständlich seinen Jüngern: „Glaubt an Gott und glaubt an mich!" Heute würde es vielleicht so klingen: „Auch wenn ich euch bald verlasse, dann haltet an dem Glauben zu Gott und meiner Botschaft, die diesen Glauben verkündigt, fest."

Genauso wie den Jüngern damals kann uns ganz bange werden. Gerade Ereignisse wie die Finanzkrise oder die Naturkatastrophe in Haiti lösen bei vielen von uns und auf der ganzen Welt Ängste aus. Es werden Fragen, ja sogar Zweifel laut wie z.B. „Habe ich morgen noch meinen Job? Kann ich meine Familie noch ernähren? Wie geht es weiter? Stimmt das mit dem Glauben jetzt doch nicht? Gibt es überhaupt einen Gott?"

Heute wie damals weiß Jesus, was in uns vorgeht!
Heute wie damals ist es Jesus nicht egal, was uns bedrückt!

Heute wie damals spricht Jesus:
„Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!" (Johannes 14,1)

Also doch ein „Aha-Effekt".   :-)

 

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