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3,2,1 deins
Freitag, den 10. April 2009 um 09:30 Uhr

3,2,1 deins - so lautet das Jahresmotto des ejw, das beim KonfiCamp im Juni eingeführt wird. Ganz klar weckt es die Assoziation einer Ersteigerung bei ebay - 3,2,1 meins! Darum und um Zachäus wird es beim KonfiCamp gehen.

Mir fällt dazu etwas anderes ein - „1,2 oder 3 - ob Du wirklich richtig stehst, siehst Du wenn das Licht angeht". „1,2, oder 3" - eine (ur)alte Kindersendung mit Michael Schanze.
Die Kinder müssen überlegen, wie die Antwort auf eine Frage lautet und schnell auf das Antwortfeld (eben 1, 2 oder 3) laufen, das sie für das richtige halten. Und dann „wenn das Licht angeht", wissen sie, ob sie richtig oder falsch entschieden haben.


Entscheidungen - jeden Tag treffen wir hunderte davon. Wann soll mein Wecker heute klingeln? Stehe ich gleich auf oder bleibe ich noch ein bisschen liegen? Was soll ich heute anziehen? Und was gibt es zum Frühstück - gibt es überhaupt etwas? Kleine Alltagsentscheidungen und meistens von nicht allzu großer Tragweite. Es gibt aber auch die großen (Lebens-) Entscheidungen:

Welchen Beruf soll ich erlernen? Hat er Zukunft oder werde ich arbeitslos sein, wenn Lehre oder Studium beendet sind? Möchte ich einen Mann / eine Frau und Kinder? Wenn ja, wie komme ich am besten an den „richtigen" Partner? Wie soll ich mein Geld anlegen? Was mache ich jetzt, damit ich später mit meiner Rente über die Runden komme?

Natürlich muss ein Mensch sich auch entscheiden, ob er an Jesus glaubt oder nicht. An wen oder was er stattdessen glauben könnte oder ob es für ihn Nichts gibt - keinen Gott, keinen Adressaten für seinen Dank und seine Klage, kein Leben nach dem Tod. Aber darum geht es mir jetzt nicht.

Spannend finde ich vielmehr die Frage, ob ein Christ Entscheidungshilfen hat, weil er einen Gott kennt, der das Leben überschaut. Weiß ein Christ vorher, „ob er wirklich richtig steht" oder weiß er es auch erst „hinterher". Provokativ: Was „nutzt" mir ein Gott, der mich in meinen Entscheidungen alleine lässt und mich hinterher, wenn ich falsch entschieden habe, einen Sünder nennt? Habe ich als Christ wirklich Entscheidungshilfen?

Ja - das glaube ich. Die Bibel sagt es uns schon auf den ersten Seiten: Adam und Eva dürfen alles - bis auf eben das Eine: sie sollen nicht vom „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse" essen, denn es wird furchtbare Konsequenzen für ihr Leben haben. Es gibt die zehn Gebote, es gibt eine Bergpredigt, es gibt Geschichten und Gleichnisse, die uns sagen, welches Verhalten und welche Entscheidungen wertvoller sind als andere. Ich kann mich entscheiden, ob ich nachtragend sein will oder versöhnlich, ich kann mich entscheiden, ob ich mein Einkommen rechtmäßig versteuer oder am Finanzamt vorbei schleuse, ich kann mich entscheiden ob ich schwarz fahre oder mein Ticket bezahle etc.etc.etc. Landläufig nennt man das Moral und in vielen dieser Fragen sind biblische Anweisungen eindeutig und klar.

Aber es gibt auch Grauzonen: „darf" ein Christ Bier trinken? Oder fernsehen? Ballerspiele spielen? Rauchen? Auto fahren? Unverheiratet zusammen leben? ...

Viele „moralische" Entscheidungen, vor denen wir heute stehen, waren in biblischen Zeiten gar nicht relevant. Bei diesen Fragen versuchen wir, klare biblische Anweisungen zu übertragen, zu deuten, anzuwenden auf unser kleines Leben heute - z.B. ich soll nicht stehlen - was ich deuten kann als Aufforderung Fairhandels-Produkte statt Billigware zu kaufen.

Manchmal sind wir versucht eine Vermutung zu einer moralischen oder gar biblischen Tatsache zu machen - das ist ja auch einfacher. Wir möchten schließlich wirklich alles richtig machen und nach Gottes Willen leben, da ist es gut, wenn einer sagt und festlegt: das ist gut und das ist schlecht. Das können wir selber sein oder auch eine „übergeordnete" Person. So wie zum Beispiel der Papst Kondome nicht für gut hält, da Sexualität in die Ehe gehört und die Ehe ein Heiliges Sakrament ist. Aber hat er Recht? Und ist diese Schlussfolgerung richtig, gerade für den afrikanischen aidsverseuchten Kontinent?

Unsere menschlichen Auslegungen sind manchmal eine fragwürdige Sache... und nicht immer unbedingt biblisch. Dennoch - trotz aller Gefahr von Fehldeutungen: Gottes (menschliche) Bibel lässt uns nicht so ganz im Dunkeln tappen bei unseren Entscheidungen und manchmal geht ganz klar davor ein Licht an, das uns zeigt, ob wir richtig stehen.

Nein - wir Christen haben mit unserem Gott keine brauchbare Entscheidungshilfe. Kein Zettel fällt vom Himmel und sagt mir: „Sabine, werde Astronautin, heirate Alfred und habe keine Kinder". Nein, auch trotz schier endlosen Gebeten bleibt manchmal eine Antwort aus und nicht jede Entscheidung treffe ich „mit Frieden darüber". Manchmal verlangt das Leben mir Entscheidungen ab, die getroffen sind, ohne dass ich weiß, sie sind richtig. Ich wünsche es mir, es gibt vielleicht auch Hinweise darauf, dass sie gut sind. Aber ein „Licht geht da nicht vorher auf". Ich finde auch in der Bibel nichts darüber, ob ich Forstwirtschaft studieren oder Brötchen verkaufen soll. Ob ich nun Alfred, Robert oder Niemanden heiraten soll. Schade?

Bin ich als Christ in diesen Entscheidungen also genauso einsam, wie andere Menschen?

Ja! Denn ich bin erwachsen! Ich werde von meinem Gott ernst genommen. Ich bin kein Kind mehr, dem man alles vorschreibt, zu Recht legt, das der Bevormundung bedarf, um sicher durchs Leben zu kommen. Ich darf und ich muss selber entscheiden! Das ist die Würde, die Gott dem Menschen seit der Schöpfung verliehen hat - frei zu sein - auch in seinen Entscheidungen. Sogar in der Entscheidung gegen Gott.

Nein! Ich bin darin nicht einsam. Denn ich darf darauf vertrauen, dass Gott mich nicht verlässt. Auch nicht bei der schlimmsten Fehlentscheidung. Jesus schrie am Kreuz „Mein Gott, mein Gott! Warum hast Du mich verlassen?"
Weil wir es verdient hätten, darum. Jesus musste die Gott-Verlassenheit erdulden und darum müssen wir es nicht mehr.


Gott wendet sich nicht mehr ab, auch von dem schlimmsten Sünder nicht. Ich mag Fehlentscheidungen treffen - manchmal auch mit schlimmen Folgen. Aber - Gott sei Dank!- bin ich darin nicht verlassen von Gott. So wie der verlorene Sohn heim kehren darf, darf auch ich immer wider zurück kehren zu meinem Gott.

Zusammenfassend möchte ich daher ermutigen:

  • Gottes klare Weisungen als Leitfaden zu nehmen, auch wenn sie manchmal „uncool" sind und oft nicht dem Zeitgeist entsprechen.
  • zu überdenken, was wirklich Gesetz(t) ist und was hingegen menschliche Deutung - besonders bevor ich anderen Menschen meine Deutung als Gottes Wille „verkaufe". Vergessen wir nicht: „Denn der HERR ist der Geist; wo aber der Geist des HERRN ist, da ist Freiheit." 2. Korinther 3,17
  • haben wir Mut zu Entscheidungen - auch wenn es Fehlentscheidungen werden könnten. Denn unser Gott spricht: „Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und freudig seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst." Josua 1,9
Sabine Angnes,
Bezirksjugendreferentin und Diakonin im ejw Geislingen
 

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